My Finance Coach Blog | 07.04.2017

Wo willst du hin?

Das letzte Schuljahr ist für viele SchülerInnen mit Stress verbunden. Plötzlich geht es Schlag auf Schlag: Lernstress, Prüfung, Abschlussfeier. Und was kommt dann: Erst mal chillen – Freiwilligenjahr – Studium –  Berufsausbildung? Wer sich für die praktische Berufsausbildung entscheidet, hat derzeit so gute Aussichten wie lange nicht.

Die günstige Wirtschaftslage und der Fachkräftemangel sorgen dafür, dass die Unternehmen viele Lehrstellen anbieten. Gleichzeitig sinkt die  Zahl der Schulabgänger und außerdem streben immer mehr Abiturienten an die Universitäten. Das bedeutet, dass den Bewerbern auf dem Ausbildungsmarkt so viele freie Plätze gegenüber stehen wie lange nicht mehr. Rechnerisch gab es im Jahr 2016 mehr als 104 Ausbildungsplätze für je 100 Bewerber. Zehn Jahre zuvor waren es noch weniger als 95. Das zeigt der neue Berufsbildungsbericht, den das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen hat.

Die Zeiten, in denen jährlich hunderttausende Jugendliche vergeblich nach einer Lehrstelle suchten, sind anscheinend vorbei. Bildungsministerin Johanna Wanka  stellte dazu fest, dass es für viele Betriebe  schwieriger geworden sei, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Im vergangenen Jahr schlossen 520.300 junge Menschen einen Ausbildungsvertrag neu ab. Gleichzeitig blieben 43.500 Ausbildungsstellen unbesetzt, das sind so viele wie seit 1995 nicht mehr.

Die Gesamtzahl der Ausbildungsbetriebe, sank laut Bericht im vergangenen Jahr um 3600 auf 427.500. Bei den Kleinstbetrieben (weniger als zehn Mitarbeiter)  reduzierte sich die Zahl sogar um 6800. Im verschärften Wettbewerb um den knappen Berufsnachwuchs bekommen sie ihre Ausbildungsplätze oft nicht besetzt. Größere Betriebe hingegen legten zu.

Doch bei der durchschnittlich großen Auswahl für die Jugendlichen verbergen sich allerdings große Unterschiede je nach Berufsfeld und Region.  Während in weiten Teilen Ostdeutschlands wie auch in Bayern im vergangenen Jahr mehr als jeder zehnte Ausbildungsplatz unbesetzt blieb,  fanden im Westen und Norden vielerorts immer noch mehr als 10 Prozent der Bewerber nicht auf Anhieb den gewünschten Platz. Doch auch dort haben sich die Verhältnisse in den vergangenen Jahren zugunsten der Bewerber verbessert.

Angebot und Nachfrage

Wer sich für besonders beliebte Lehrstellen wie in der Tierpflege, Mediengestaltung, Elektronik oder Photographie interessiert, trifft auf einen scharfen Wettbewerb, diese Ausbildungsplätze sind sehr begehrt, aber überwiegend nicht allzu reichlich verfügbar. 2016 hatten dort zwischen 25 und 48 Prozent der Jugendlichen mit ihren Bewerbungen keinen Erfolg. Genau umgekehrt ergeht es Gastronomen, Fleischern, Klempnern und Bäckern: Hier gibt es Ausbildungsplätze, aber zu wenig Azubis, die in diesen Berufsfeldern arbeiten wollen. Zwischen 24 und 34 Prozent der Lehrstellen blieben im vergangenen Jahr unbesetzt. Auch Hotels tun sich zunehmend schwer, Berufsnachwuchs zu finden.

Trotz einer rechnerisch ausreichenden Zahl an Lehrstellen gibt es keinen Ausgleich, denn wer Mediengestalter in München werden möchte, wird sich nicht plötzlich für eine Bäckerlehre in Leipzig gewinnen lassen. Dennoch gäbe es einige Ansätze, um Knappheiten zu entschärfen, betonte Wanka. So könne noch mehr dafür getan werden, um junge Frauen für technische Berufe zu begeistern. Auch gelte es, die Mobilität der jungen Menschen stärker zu unterstützen – „zum Beispiel auch dadurch, dass der Betrieb dem Azubi einen Führerschein finanziert“, so die Ministerin.

Lukrative Ausbildungsvergütungen

Die geänderten Verhältnisse haben sich bereits spürbar ausgewirkt. Die durchschnittliche Vergütung für Azubis stieg in den vergangenen Jahren durchweg stärker als der Durchschnittslohn der Arbeitnehmer. So bekamen in 2016 Azubis im Westen im Durchschnitt aller Berufe und über alle Lehrjahre hinweg 859 Euro im Monat, 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Osten waren es 807 Euro, was sogar ein Plus von 4,9 Prozent ist. Auch die weniger beliebte Berufe haben zuletzt aufgeholt – allerdings von einem niedrigen Level.

Berufsbildung

Geposted von
Karin Paprotta
Nicht so meinsNützlich & HilfreichMega!
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