My Finance Coach Blog | 05.04.2017

Die Tücken der Schwarzarbeit

In Deutschland lag 2016 der Anteil der Schattenwirtschaft gemessen am BIP bei 10,8 Prozent und damit im Durchschnitt der Industriestaaten. Aber was genau verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff Schattenwirtschaft?

Unter dem Begriff „Schattenwirtschaft“ werden alle ökonomischen Aktivitäten zusammengefasst, die nicht in offiziellen Wirtschaftsstatistiken aufgelistet werden.  Für diese Tätigkeiten werden also keine Steuern und keine Abgaben an die Sozialversicherungen bezahlt. Manches ist legal, dem Finanzamt aber unbekannt, da die Dienste und Produkte unentgeltlich angeboten bzw. geleistet werden. Unter diese Art der Selbstversorgungswirtschaft fallen unter anderem die Nachbarschaftshilfe oder die Gartenarbeit im eigenen Garten. Ein anderer Teil wird bewusst verheimlicht, weil er illegal ist. Hierzu zählen vor allem die Schwarzarbeit, der Schmuggel und die Steuerhinterziehung in jeder Form. Dieser Bereich wird auch als Schattenwirtschaft im engeren Sinne bezeichnet.

 

Rückgang der Schattenwirtschaft

Seit ein paar Jahren kann jedoch ein Rückgang beim Umfang der Schattenwirtschaft in Deutschland festgestellt werden. Wurden im Jahr 2009 noch 352 Milliarden Euro am Staat vorbei erwirtschaftet, lag der Betrag im Jahr 2016 bei deutlich höherem BIP um die 336 Milliarden Euro. Diese Entwicklung ist unter anderem auf die gute Lage am Arbeitsmarkt zurückzuführen.  Wenn weniger Menschen arbeitslos sind, dann wirkt sich das in Regel dämpfend auf die Bereitschaft aus, Schwarzarbeit zu leisten.

Folglich ist der Anteil der Schattenwirtschaft am höchsten in den geschwächten Ländern Südeuropas. Wie die  Infografik zeigt, hat Griechenland weiterhin die größte Schattenwirtschaft. Deutschland liegt mit aktuell 10,4 Prozent des BIPs mit der Größe seiner Schattenwirtschaft etwas unterhalb des OECD-Durchschnitts von 11,6 Prozent. In den Vereinigten Staaten gibt es am wenigsten schattige Plätze in der Wirtschaft.

 

Schlechte Karten für Schwarzarbeiter

Schwarzarbeit ist Arbeit ohne Steuern und Sozialabgaben. Und Schwarzarbeit ist vor allem eins: verboten. Glücklicherweise nimmt die Schwarzarbeit in Deutschland stetig ab. Das zeigt eine Studie des Tübinger Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung (IAW). Nur auf den ersten Blick ist Schwarzarbeit lukrativ: Geld bar auf die Kralle ohne Abzüge. Auf den zweiten Blick ist Schwarzarbeit nämlich nicht nur illegal, sondern auch ganz schön blöd.

Was man wegen der fehlenden Abgaben vermeintlich mehr verdient, muss man nämlich an anderer Stelle kräftig draufzahlen. Denn: Wer nicht bei der Sozialversicherung angemeldet ist, zahlt auch nicht in die Rentenversicherung ein. Ist man dann eines Tages alt, ist man ganz schnell arm. Die Rente richtet sich nämlich danach, was man eingezahlt hat. Schwarzarbeit zählt nicht mit.

Nächster Punkt: Unfallversicherung

Unfallversichert ist man beim steuerfreien Babysitten,  Rasenmähen oder Putzen auch nicht. Verletzt du dich während der Arbeit, wird es gruselig. Welcher Chef, der dich schwarz beschäftigt,  zahlt schon Lohn an einen Kranken? Dazu kommen Arzt- oder Krankenhausrechnungen: Die muss deine Krankenkasse auch nicht zahlen, wenn du dich beim Schwarzarbeiten verletzt, beispielsweise beim Fensterputzen von der Leiter fällst.

Anspruch auf Lohn

Schwarzarbeiter haben keinen Anspruch auf ihren Lohn. Verträge über Schwarzarbeit sind laut dem Bundesgerichtshof (BGH) ungültig. Denn Schwarzarbeit ist nach dem Gesetz kein Kavaliersdelikt, sondern Wirtschaftskriminalität. Das bedeutet: Läßt du dich schwarz beschäftigen,  kannst du  leicht über den Tisch gezogen werden. Zahlt der Auftraggeber nicht, dann hilft dir auch kein Richter, damit du zu deinem Geld kommst. Schließlich handelt es sich um Steuerhinterziehung für Anfänger. Wird man erwischt, drohen bis zu 300.000 Euro Bußgeld oder bis zu drei Jahre Gefängnis.

Das Land braucht Steuerzahler

Und noch etwas spricht gegen Schwarzarbeit: Der Staat braucht die Steuereinnahmen aus der regulären Beschäftigung. Er nutzt dieses Geld für neue Schulen und Straßen, für besseres Internet oder für Busse und Bahnen. Er zahlt davon auch Krankenhäuser, die Polizei und die Bundeswehr. Und von den Sozialabgaben hilft er den Menschen, die gerade keine Arbeit haben, die alt oder krank sind. Wenn alle Menschen schwarz arbeiten würden, ginge es uns allen schlechter.

 

Über Geld spricht man nicht – falsch.

Wenn Jugendliche  einen bewussten, vernünftigen Umgang mit Euro und Cent lernen sollen, ist Offenheit gefragt. Je nach Alter darf der Nachwuchs ruhig wissen, wie es um die Familienfinanzen bestellt ist. Wie viel die Eltern für ihr Geld arbeiten müssen, was die Familie sich leisten kann und dass auch die Eltern auf eine größere Anschaffung oder den Familienurlaub sparen, dass es sich lohnt, mit einem festen Budget zu planen und Preise zu vergleichen.

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Geposted von
Karin Paprotta
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