Rent a Chicken

by | Jul 10, 2018

Man kann vieles leihen – Fahrräder, Schlafsäcke, Zelte und inzwischen sogar Hühner. Diese ungewöhnliche Idee ist von Michael Lüft, Schornsteinfegermeister und Landwirt  aus Seligenstadt. Unter dem Motto „Rent a Huhn“ vermietet er das Herdentier in Gruppen von 5 handzahmen Legehennen meistens für 2 Wochen. Angefangen hat er mit 25 Hühnern, mittlerweile besitzt er 58 mobile Hühnerhäuser und rund 600 Hühner. Davon sind 300 bis 350 ständig auf Reisen.

Wer leiht sich Hühner?

Mieter sind vor allem Familien mit Kindern. Einige möchten sich ein Stück Landleben in den Garten holen oder einfach ein frisch gelegtes Frühstücksei genießen. Andere überlegen, sich selbst Hühner anzuschaffen, und möchten das vorher testen.

Etwa die Hälfte seiner Kunden sind Institutionen wie Kitas, Grundschulen, Altenheime und Behinderteneinrichtungen.

Kosten und Voraussetzungen

Die Mieter brauchen ein Grundstück von rund 25 Quadratmetern mit unbefestigtem Untergrund.

Zwei Wochen kosten 130 Euro. Dieser Preis beinhaltet Futter, Futter-/Wasserautomat, Einstreu, Zaun und ein selbstgebautes Hühnerhaus aus Holz. Man kann die Hühner selbst abholen oder sie sich in ganz Deutschland liefern lassen. Meist übernimmt Herr Lüft auch die Anmeldung beim Veterinäramt und die Vorlage der Impfbescheinigung.

Wie läuft die Geschäftsidee?

Nach eigenen Angaben sind die Miethühner ein Erfolg. Die Nachfrage sei zuweilen so hoch, dass man vier bis sechs Wochen vorher buchen sollte.  Deshalb ist geplant, den Bestand von 600 Hühnern auf 1.200 aufzustocken. Lüft ist nach eigenen Angaben Marktführer. „Rent a Huhn“ macht rund 50 Prozent seines Umsatzes aus. Die anderen 50 Prozent verdient er mit seinem Hofladen. Der Umsatz liege im mittleren fünfstelligen Bereich.

Mehrere andere Anbieter haben sich laut Lüft „das Konzept vom Stil her abgeguckt und betreiben es im Kleinen“, beispielsweise  „Huhn on tour“ in Lünen, „Miete ein Huhn“ in Achim bei Bremen oder „Moni Miet Gaggala“ in Erlangen.

Kritische Stimmen

Einige Tierärzte und der Deutsche Tierschutzbund halten nichts vom Verleihen der Hühner. Die Tiere seien sehr standortbezogen und hätten ein stark ausgeprägtes Territorialverhalten. Wenn sie sich nach kurzer Zeit wieder an eine neue Umgebung gewöhnen müssen, dann bedeute es jedes Mal Stress für die Tiere.

Das sieht Lüft anders. Hühner seien von Natur aus neugierig. Derselbe Stall – also ihr Zuhause – reise immer mit.  Da die Hühner von den Mietern verwöhnt würden,  gehe es ihnen im Vergleich zu den Hennen in den Legebatterien blendend.

Ich will wissen, woher mein Essen kommt

Die neue Liebe zum Huhn in Zeiten von Landlust und Urban Gardening  entspricht dem Zeitgeist, meint ein Trendforscher.  Stadtbewohner mieten auch Äcker, um selbst Gemüse anzubauen oder halten sich Bienenvölker für den eigenen Honig. Da sind eigene Eier die logische Konsequenz.