My Finance Coach Blog | 08.11.2017

Paradise Papers

Unser Wirtschaftssystem lebt vom Vertrauen, dass es darin „fair“ zugeht und Regeln für alle gelten. Wer viel Geld verdient, soll auch viel Steuern bezahlen. So stellen sich Normalverdiener ein gerechtes Steuersystem vor.

Denn schließlich werden ihre Steuern direkt vom Lohn oder Gehalt abgezogen. Im Folgejahr macht dann Otto-Normalverdiener seine Steuererklärung innerhalb der vorgeschriebenen Frist, belegt auf den Cent genau seine Einnahmen und Ausgaben. Hat er zu viel gezahlt, dann erhält er eine Erstattung und wenn er nicht, dann muss er nachzahlen. Darauf achten die Finanzämter schon sehr genau. Der Fiskus erfasst, besteuert und betraft  bei den Lohneinkommen alles mit Akribie und ahndet kleinste Vergehen.

Legal – Illegal – Scheißegal

Und dann gibt es noch die Anderen. Das sind entweder ultrareiche Privatpersonen oder Firmen, die richtig viel Geld verdienen. Gar nicht neu und sogar legal, zahlt diese Gruppe oftmals kaum oder gar keine Steuern. So funktioniert ein System, das die so genannte Offshore-Industrie geschaffen hat. Hier suchen teure Anwälte für Superreiche nach legalen Tricks, um Steuern zu vermeiden. Gerne senden sie dabei mittels Briefkastenfirmen Vermögen in „Steuerparadiese“ fernab der großen Industriestaaten, eben „offshore“.  Aber selbst einigen europäischen Nachbarländern wie Irland, Luxemburg, Niederland oder die Isle of Man bieten Steuervermeidungsstrategien.

Wer hat es aufgedeckt

In den vergangenen Monaten hat die „Süddeutsche Zeitung“ gemeinsam mit hunderten Journalisten weltweit Dokumente ausgewertet, die das System der Steuertricks offenlegen. Dabei tauchen die Namen von unzähligen Politikern und Prominenten, aber auch Konzerne wie Facebook oder Nike auf.  Die wohlgemerkt ganz legal, die rechtlichen Schlupflöcher ausnutzen, denen Gemeinsinn, Solidarität und auch das Grundgesetz egal sind.

Eigentum verpflichtet – aber nicht alle

Es mutet schon sehr merkwürdig an, dass der Fiskus bei Kapitaleinkommen teils rechtlich gewollt stillschweigend, teils hilflos resigniert Steuerschlupflöcher duldet und offenlässt. Nach den Panama Papers, Cum-Ex-Geschäften oder jetzt den Paradise Papers, nährt es den Verdacht, dass wieder nur die Spitze des Eisbergs sichtbar wurde und bei Kapitaleinkommen Steuerflucht die Regel und nicht die Ausnahme ist.

Geposted von
Karin Paprotta
Nicht so meinsNützlich & HilfreichMega!
Noch keine Bewertungen
Loading...

Beliebteste Beiträge

Panama Papers: Vokabelupdate
Erfahren Sie mehr.
CURE RUNNERS – Lauf um dein Leben!
Erfahren Sie mehr.
Wir feiern 1.000.000!
Erfahren Sie mehr.
What’s up with WhatsApp?
Erfahren Sie mehr.