My Finance Coach Blog | 04.12.2017

Wir können keine Großprojekte

Nein, das ist so nicht ganz richtig. Wir können schon, nur werden sie (fast) nie termingerecht und ohne Mehrkosten fertiggestellt, wie wir gerade wieder am Beispiel „Stuttgart 21“ erfahren.

Nach Angaben einer Langzeitstudie sind deutsche Großprojekte im Schnitt 73 Prozent teurer als geplant.

„Stuttgart 21“

Kernstück des Umbaus ist die Umwandlung des Kopfbahnhofs Stuttgart Hauptbahnhof in einen Durchgangsbahnhof.  Die Zulaufstrecken werden in Tunnel verlegt und die frei werdenden Gleisflächen der Stadtentwicklung zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus entstehen mit dem Filderbahnhof am Flughafen, der S-Bahn-Station Mittnachtstraße und dem Abstellbahnhof Untertürkheim drei neue Bahnhöfe.

Im Jahr 1995 schätzte die Deutsche Bahn AG die Kosten für Stuttgart 21 auf umgerechnet 2,5 Milliarden Euro ein. 7,6 Milliarden Euro wird der Bau von Stuttgart 21 verschlingen – so die aktuelle Planung.

Außerdem verschiebt sich auch die Eröffnung des umstrittenen Tiefbahnhofs. Frühestens im Dezember 2024 werden dort nun Züge rollen. Ein Ende des Projekts inklusive Abbruch ist aber wohl auch keine Option. Ein aktuelles Gutachten rechnet für diesen Fall mit Kosten in Höhe von sieben Milliarden Euro.

Flughafen Berlin Brandenburg (BER)

Er wird und wird nicht fertig. Nach zahlreichen Verzögerungen ist die Eröffnung nun für 2018 geplant. Doch eine aktuelle Umfrage zeigt: Die Mehrheit der Deutschen glaubt nicht daran.

Ursprünglich hätte der Flugverkehr am Berliner Airport schon im Jahr 2011 starten sollen. Baufehler und Fehlplanungen verschoben den Eröffnungstermin jedoch immer weiter nach hinten. Kritiker bemängeln vor allem die massive Verschwendung von Steuergeldern.

Nicht nur den Berlinern geht langsam die Geduld mit dem teuren Großprojekt aus.

Elbphilharmonie Hamburg

Zum Eröffnungskonzert (11.01.2017) der Elbphilharmonie nach fast 10 Jahren Bauzeit war die Kontroverse um die Bauverzögerungen und die Mehrkosten fast schon wieder vergessen. Die Fertigstellung des Gebäudes war nach einem mehrjährigen Vorlauf für das Jahr 2010 vorgesehen, verzögerte sich jedoch mehrfach, u.a. auch bedingt durch einen anderthalbjährigen Baustopp. Während der Ausbau des ehemaligen Hafenspeichers zum extravaganten Konzertsaal 2006 noch mit etwa 350 Millionen Euro beziffert wurde, mussten schließlich fast 870 Millionen Euro investiert werden, eine Kostensteigerung um fast 150 Prozent.


Das Problem ist kein nationales, sondern ein weltweites Phänomen!  Wie die Grafik zeigt, gab es andere Projekte, die noch ärger aus dem Ruder liefen.

Obwohl bei der Ausschreibung immer der Billigste gewinnt, wird das Projekt am Ende stets megateuer.

In neun von zehn Fällen scheitert die Planung. Bleibt die berechtigte Frage: Warum planen Politiker und Bauherren das nicht ein und sorgen vor?

Geposted von
Karin Paprotta
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