My Finance Coach Blog | 20.04.2017

Geldautomaten bald out?

Bei einigen steht inzwischen neben Milch, Obst, Brot auch Bargeld auf dem Einkaufszettel. Denn in vielen Supermärkten kann man längst nicht mehr „nur“ einkaufen, sondern an der Kasse gleich auch noch Geld vom eigenen Konto abheben. Und das ist erst der Anfang: Schon jetzt können manche Bankkunden auf die gleiche Weise an der Supermarktkasse auch Geld auf ihr Konto einzahlen oder ihre Rechnungen für den Online-Einkauf, für den Strom oder den Handyvertrag begleichen.

BEIM EINKAUF GELD ABHEBEN

„Cash Back“ nennt sich das bereits weit verbreitete Verfahren, mit dem Kunden in vielen Supermärkten an der Kasse Geld abheben können. Dazu braucht man nur seine Girokarte und die Pin-Nummer. Beim Bezahlen fragt die Kassiererin, ob noch Bargeld gewünscht wird.  Die Summe wird dann zusammen mit dem Einkaufswert vom Konto abgebucht und das Geld in bar ausgezahlt.

Nutzen kannst du  den Service allerdings nur, wenn du gleichzeitig für mindestens 20 Euro einkaufst. Außerdem funktioniert das Ganze nur mit der Girokarte. Dafür ist das Geldabheben gebührenfrei – egal bei welcher Bank du dein Konto hast.  Du kannst allerdings maximal 200 Euro abheben: eine Obergrenze, auf die sich die Händler mit den Banken verständigt haben.

DIE BARCODE-METHODE

Alternativ zum Geldabheben per Karte hat das Berliner Start-up „Barzahlen“ eine Methode entwickelt, mit der Kunden auch über einen speziell generierten Barcode auf dem Smartphone an der Supermarktkasse Geld vom eigenen Konto abheben können. „Cash im Shop“ nennt sich das Verfahren, das bislang nur Kunden von zwei Direktbanken nutzen können. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen jedoch bereits auch mit Filialbanken im Gespräch, die den Service ebenfalls anbieten wollen.

Praktisch funktioniert das Geldabheben per Barcode so: Während die Kunden in der Schlange stehen, öffnen sie ihre Banking-App. Dort geben sie ein, wie viel Geld sie abheben wollen. Anschließend erscheint auf dem Smartphone ein Barcode. Den zieht die Kassiererin  über ihren Scanner und zahlt dann die gewünschte Summe aus. Zwischen 50 bis 300 Euro kann man auf diese Weise per Smartphone vom Konto abheben. Möglich ist das bereits in einigen Supermärkten,  Bahnhofsbuchhandlungen oder in Läden einer Drogeriemarktkette.

Der Vorteil: Anders als beim Geldabheben per Girokarte im Supermarkt gibt es für „Cash im Shop“ keinen Mindesteinkaufswert. Theoretisch können Kunden also auch nur zum Geldziehen in den Supermarkt gehen. Und: Auf die gleiche Weise lässt sich auch Geld aufs Konto einzahlen. Auch dafür generiert der Kunde auf seinem Smartphone einen Barcode. Das Geld gibt er dann an der Kasse ab und bekommt es auf seinem Konto gutgeschrieben. Dabei ist es gleich, ob er das Geld in Scheinen oder Münzen einzahlt. Wer auf diese Weise allerdings mehr als 100 Euro auf sein Konto transferieren will, für den fällt eine Gebühr von 1,5 Prozent des eingezahlten Betrags an.

Gegründet worden ist das Start-up „Barzahlen“ ursprünglich, um Kunden zu ermöglichen, ihre Online-Einkäufe auch bar zu bezahlen, statt mit Kreditkarte oder auf Rechnung. Dafür drucken sich die Kunden nach dem Einkauf im Netz einfach einen Zahlschein mit Barcode aus. Mit dem gehen sie dann zu einem der teilnehmenden Händler und  lassen den Code an der Kasse einscannen und bezahlen den Betrag in bar. Auf ähnliche Weise kann man auch seine Rechnungen vom Strom- oder Telekommunikationsanbieter in bar begleichen.

Vorteile für die Händler

Wegen des großen Wettbewerbs versuchen Supermärkte sich von der Konkurrenz abzugrenzen und bieten ihren  Kunden mit diesem Service einen Mehrwert an.  Auch wenn die Händler daran direkt nichts verdienen, denn evtl. anfallende Gebühren gehen an die Bank, die die Zahlung abwickelt. Der Vorteil für die Supermärkte ist ein anderer: Zahlen die Kassierer einen Teil des Bargelds, das sie einnehmen, direkt wieder aus, haben sie abends weniger Scheine, die sie zählen müssen. Auch brauchen sie weniger Geldkassetten, in denen das eingenommene Bargeld verstaut und von Sicherheitsdiensten abgeholt wird. Heben viele Kunden Geld ab, kann der Händler so im besten Fall sogar noch Geld sparen. Da können sich selbst die Gebühren lohnen, die die Kartenanbieter den Händler in Rechnung stellen, damit sie die Kartenzahlung abwickeln.

Vor- und Nachteile für dich als Kunden

Es ist natürlich bequem, wenn du mal eben neben dem Einkauf Geld abheben kannst, statt dafür extra den nächsten Automaten aufsuchen zu müssen. Sicher ist es auch, denn es funktioniert mit deiner Girokarte und dem PIN. Allerdings hast du nicht mehr rund um die Uhr Zugang zum Bargeld, sondern nur noch, wenn der Laden offen ist.

Anreiz für Banken

Die Banken profitieren von dem Dienst ebenfalls, weil sie so das Geldabheben an mehr Standorten ermöglichen können. Gerade kleinere Institute hoffen, auf diese Weise mehr Kunden gewinnen zu können. Schließlich ist bei der Wahl der Bank für viele Verbraucher ausschlaggebend, ob es in ihrer Nähe einen Geldautomaten gibt. Durch viele Filialschließungen verschwinden nicht nur die Berater sondern auch vielerorts die Eingangsbereiche mit den Selbstbedienungsterminals. Experten gehen davon aus, dass sich die Filialzahl von aktuell 34.000 in den nächsten Jahren deutlich reduzieren wird. Von einer Zielgröße von 20.000 ist die Rede.

Wird die Supermarktkasse zum Geldautomaten, lösen sich für die Finanzbranche gleich zwei Probleme: Auf der einen Seite sinken die hohen Kosten für die Automaten-Infrastruktur, auf der anderen Seite hat der Kunde trotzdem weiterhin Zugang zu seinem Geld. Auch Direktbanken, die keine Filialen haben, nutzen die Supermärkte gerne, um die Zahl der Stellen zu erhöhen, an denen man mit ihren Karten Geld abheben kann.

Soviel zu den Fakten…

Wie es auch mit Barzahlung weitergehen wird und ob die Bankautomaten einem anderen Bezahlsystem in Zukunft Platz machen müssen, auf diesen Bankautomaten würden wir nur sehr ungern verzichten.

Geposted von
Karin Paprotta
Nicht so meinsNützlich & HilfreichMega!
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